Jahrelang galt ein einfaches Muster: Mensch sucht, Google listet, Mensch klickt. Dieses Muster bekommt jetzt Konkurrenz. Die neue Frage lautet nicht mehr „Welche Webseite?“, sondern „Welche Fähigkeit löst meine Aufgabe — und welcher Agent oder welches Tool liefert sie?“. Am 17. Juni 2026 hat Google mit Agentic Resource Discovery (ARD) einen Standard vorgestellt, der genau diesen Wandel formalisiert — und es ist nicht nur ein Google-Projekt.
Was ist ARD?
Agentic Resource Discovery ist ein offener Standard, „to publish, discover, and verify AI capabilities across the web“ — also um KI-Fähigkeiten im Web zu veröffentlichen, zu finden und zu verifizieren. Verfasst wurde die Spezifikation von Junjie Bu und Srinivas Krishnan, sie steht unter der Apache-2.0-Lizenz und baut auf dem „AI Catalog data model“ der Linux Foundation AI Catalog Working Group auf.
ARD beantwortet drei Leitfragen: Wo lebt die passende Fähigkeit? Welche davon soll ich nutzen? Und wie verifiziere ich sicher, dass ich mit der richtigen Quelle spreche? Zu den frühen Unterstützern zählen neben Google auch Snowflake, Hugging Face, Microsoft und Cisco (Outshift). Google integriert ARD über eine „Agent Registry“ in die Gemini Enterprise Agent Platform; native Unterstützung soll laut Google „in den kommenden Monaten“ folgen.
Die Spezifikation kennt zwei zentrale Bausteine:
- Catalogs: Eine Organisation veröffentlicht unter ihrer eigenen Domain einen Katalog ihrer Fähigkeiten. Die Domain-Inhaberschaft bildet dabei das kryptografische Vertrauensfundament.
- Registries: Sie funktionieren als „search engines for the agentic web“ — sie crawlen die Kataloge, indexieren sie und liefern Agenten passende Treffer samt Verifizierungs-Metadaten.
Wie ARD funktioniert
Der Ablauf gliedert sich in vier Phasen:
- Katalog veröffentlichen: Du hinterlegst ein Manifest unter
/.well-known/ai-catalog.jsonauf deiner eigenen Domain (alternativ über robots.txt-Direktiven, HTML-Link-Tags oder DNS Service Bindings). Jeder Eintrag erhält einen domain-verankerten URN nach dem Musterurn:ai:<publisher>:<namespace>:<agent-name>. - Discovery & Resolution: Eine Registry crawlt das Manifest. Ein Agent stellt anschliessend per
POST /searcheine natürlichsprachige Anfrage; die Registry liefert nach Relevanz sortierte Treffer mit einem Score von 0 bis 100. - Kryptografische Verifizierung: Optional kommt ein
trustManifestins Spiel — etwa eine SPIFFE-ID, eine DID oder ein HTTPS-FQDN, ergänzt um Attestierungen wie SOC2 oder HIPAA. Entscheidend: Die Trust-Domain muss zur Domain im Discovery-Identifier passen. - Direkte Laufzeit-Verbindung: Erst nach erfolgreicher Prüfung verbindet sich der Agent direkt mit der Fähigkeit.
Was das für SEO und Online-Marketing bedeutet
Wir sehen in ARD den Beginn einer „Discovery Optimization“ — einer Erweiterung von SEO und GEO. Drei Konsequenzen zeichnen sich ab:
- Die Domain wird zum Vertrauensanker. Weil das Vertrauensfundament an der Domain-Inhaberschaft hängt, ersetzt sie in diesem Modell teilweise die klassische Backlink-Autorität.
- Beschreibungsqualität wird zum Ranking-Faktor. Die Spezifikation sieht ausdrücklich
representativeQueries(2–5 Stück) und einedescriptionvor, aus denen Registries „semantic vector embeddings for search ranking“ bauen. Wer hier präzise formuliert, wird leichter gefunden. - Disintermediation und Governance. Steuert ein Agent eine Fähigkeit direkt an, entfällt der klassische Klick womöglich ganz. Gleichzeitig entsteht mit dem
trustManifestein neues Beratungsfeld rund um Governance und Compliance.
Realistische Einordnung
Ganz ehrlich: ARD ist erst einen Tag alt. Die native Gemini-Unterstützung kommt laut Google erst „in den kommenden Monaten“, und ob sich der Standard durchsetzt, ist offen. Aber die frühe Unterstützerliste ist für einen so jungen Standard ungewöhnlich stark.
Kein Aktionismus ist nötig, aber die Richtung ist klar: weg von „Mensch sucht Seite“, hin zu „Agent sucht Fähigkeit“. Pragmatisch heisst das Readiness statt Hektik — die eigene Auffindbarkeit jetzt prüfen, statt später aufzuholen.
Fazit
ARD gehört auf den Radar — nicht als Feuerwehrübung, sondern als strategischer Frühindikator. Wer seine Domain als Vertrauensanker versteht und seine Beschreibungstexte sauber aufbaut, legt heute schon das Fundament für die agentische Suche von morgen. Wie sich daraus ein konkretes Vorgehen ableitet, zeigen wir in unserem Discovery-Optimization-Angebot: vom ARD-Readiness-Audit über die ai-catalog.json bis zum Monitoring. Eng verwandt ist auch unsere Sicht auf die Agent-Readiness deiner Website — also wie eine Seite für KI-Agenten überhaupt auffind-, verstehbar und beauftragbar wird.
Im Kern verschiebt ARD die Logik der Auffindbarkeit weiter weg vom blauen Link und hin zur belegbaren, maschinenlesbaren Fähigkeit. Das ist dieselbe Grundbewegung, die schon die GEO-Optimierung antreibt und die bestimmt, wie KI-Suchsysteme Quellen auswählen. Wer das früh ernst nimmt, sichert sich seine Sichtbarkeit in der nächsten Such-Generation.
Quellen: Junjie Bu & Srinivas Krishnan, „Announcing the Agentic Resource Discovery specification“, Google Developers Blog, 17.06.2026, developers.googleblog.com; technische Details aus der ARD-Spezifikation, agenticresourcediscovery.org/spec.