- Das grösste Risiko beim Relaunch sind alte URLs ohne Ziel. Ein vollständiger Weiterleitungsplan ist die wichtigste Schutzmassnahme.
- Vor der neuen Struktur kommt die Suchabsicht: Für jede alte Seite wird entschieden, ob sie übernommen, zusammengelegt, neu konzipiert oder weitergeleitet wird.
- KI-Crawler wie GPTBot und ClaudeBot führen kein JavaScript aus. Wichtige Inhalte müssen deshalb schon im HTML stehen, das der Server ausliefert.
- Gemessen wird nicht bis zum Formular, sondern bis zur Anfrage im CRM. Das Tracking-Konzept steht vor dem Go-live.
- Nach dem Go-live folgen feste Kontrollpunkte nach 30, 60 und 90 Tagen.
Diese Website-Relaunch Checkliste ist zum Selbstprüfen gedacht. Sie folgt dem Ablauf eines Relaunch-Projekts von der Bestandsaufnahme bis zur Kontrolle nach dem Go-live. Wenn du dein Projekt lieber begleiten lassen willst, findest du alles Weitere auf der Seite zur SEO-Relaunch-Begleitung.
Was muss ich bei einem Website-Relaunch für SEO beachten?
Bei einem Website-Relaunch musst du für SEO vier Dinge sicherstellen: eine Bestandsaufnahme aller URLs mit ihren Rankings und Backlinks, eine Entscheidung pro Seite anhand der Suchabsicht, einen vollständigen Plan mit 301-Weiterleitungen und eine Kontrolle nach dem Go-live. Dazu kommen Templates, die auch KI-Systeme lesen können, und ein Tracking, das bis zu den Anfragen misst.
| Bereich | Kernfrage | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Bestandsaufnahme | Welche Seiten tragen heute Rankings, Links und Anfragen? | Konzeptphase |
| Suchabsicht | Welche Absicht bedient jede Seite, und braucht es sie noch? | Vor der Informationsarchitektur |
| Weiterleitungen | Hat jede alte URL genau ein neues Ziel? | Vor dem Go-live, getestet |
| KI-lesbare Templates | Stehen Inhalte und Schema im ausgelieferten HTML? | Bei der Template-Erstellung |
| Tracking und Abläufe | Kommt jede Anfrage gemessen im CRM an? | Vor dem Go-live |
| Kontrolle | Sind Indexierung, Top-Seiten und Anfragen stabil? | Go-live-Tag, dann nach 30, 60 und 90 Tagen |
Wann muss SEO ins Relaunch-Projekt?
SEO gehört in die Konzeptphase, bevor Informationsarchitektur und URL-Struktur festgelegt sind. Wer die Navigation und die Seitenliste ohne Suchdaten plant, baut Strukturen, die später mit vielen Weiterleitungen und Umbauten korrigiert werden müssen. Spät eingebunden kann SEO meist nur noch Schäden begrenzen.
Ein häufiger Satz in Projekten lautet: «Unser Webdesigner sagt, SEO sei mitgedacht.» Das kann stimmen. Prüfen lässt es sich einfach: Gibt es eine Liste aller alten URLs mit Zielen? Gibt es ein Tracking-Konzept? Ist festgelegt, wer am Go-live-Tag was testet? Fehlt eines davon, ist SEO noch nicht mitgedacht.
Checkliste 1: Bestandsaufnahme vor dem Relaunch
- Alle URLs der alten Website erfassen, auch alte Kampagnenseiten, PDFs und Seiten, die nicht mehr verlinkt sind.
- Für jede URL die Klicks und Impressionen aus der Google Search Console der letzten zwölf Monate sichern.
- Seiten mit Backlinks von anderen Websites markieren.
- Seiten markieren, über die Anfragen, Bestellungen oder Anmeldungen kommen.
- Den technischen Ist-Zustand festhalten: Statuscodes, Canonical-URLs, Indexierung, Sitemap und robots.txt.
- Die Daten speichern, bevor die alte Website abgeschaltet wird. Nach dem Go-live lassen sie sich nicht mehr erheben.
Diese Liste ist später die Grundlage für den Weiterleitungsplan und für jeden Vergleich nach dem Go-live.
Checkliste 2: Suchabsicht statt 1:1-Kopie
- Für jede Seite prüfen, für welche Suchbegriffe und ausformulierten Fragen Google sie heute zeigt.
- Die Absicht dahinter benennen: Will die Person etwas verstehen, einen Anbieter finden oder ein konkretes Problem lösen?
- Je Seite entscheiden: übernehmen, zusammenlegen, neu konzipieren oder weiterleiten.
- Seiten, die dieselbe Absicht bedienen, zu einer starken Seite zusammenführen.
- Lücken notieren: Absichten, für die es heute keine passende Seite gibt.
Das Ergebnis ist eine Matrix mit alter Seite, Absicht und Entscheidung. Sie führt meist zu weniger, aber passgenaueren Landingpages. Wie sich Absichten aus Search-Console-Daten ableiten lassen, beschreibt der Ratgeber Reverse Search Intent Engineering.
Ein Beispiel aus unserer Arbeit: Ein Schweizer Gesundheitsanbieter hat seine alte Website samt URLs in ein neues Design mit neuem Content und einer für KI-Systeme besser lesbaren Struktur überführt. Im Zuge von Relaunch und laufender Betreuung stieg der SISTRIX-Sichtbarkeitsindex Schweiz der Domain von 0,1214 (27. Januar 2025) auf 1,1246 (2. November 2026), also rund auf das Neunfache. Welcher Anteil davon auf den Relaunch selbst zurückgeht, lässt sich nicht trennen.
Checkliste 3: URL-Mapping und 301-Weiterleitungen
Ein Weiterleitungsplan ordnet jeder alten URL genau eine neue URL per 301-Weiterleitung zu. Google empfiehlt für Umzüge serverseitige permanente Weiterleitungen wie 301 oder 308 und hält fest, dass diese keinen PageRank kosten (Google Search Central).
- Jede URL aus der Bestandsaufnahme bekommt genau ein Ziel. Ziel ist die inhaltlich passendste neue Seite, nicht pauschal die Startseite.
- Weiterleitungsketten vermeiden. Wo es nicht anders geht, empfiehlt Google idealerweise höchstens drei und weniger als fünf Schritte.
- Interne Links auf die neuen URLs umstellen, statt sie über Weiterleitungen laufen zu lassen.
- Alle Weiterleitungen vor dem Go-live auf einer Testumgebung prüfen.
- Weiterleitungen nach Googles Empfehlung so lange wie möglich behalten, in der Regel mindestens ein Jahr.
Domainwechsel und Rebranding
Bei einem Domainwechsel gilt alles oben Genannte, dazu kommen zwei Schritte. Für den Wechsel von einer Domain auf eine andere gibt es in der Search Console das Tool zur Adressänderung, das für die alte Property eingereicht wird. Die neue Sitemap wird in der Search Console eingereicht. Google rechnet bei mittelgrossen Websites damit, dass es einige Wochen oder länger dauern kann, bis die neuen URLs die alten in den Suchergebnissen ersetzen, bei grösseren Websites länger (Google Search Central).
Ein Domainwechsel ist kein harmloser Schritt. In einer Auswertung von Search Engine Journal hatten 17 % der untersuchten Domain-Umzüge nach 1'000 Tagen ihren organischen Traffic nicht zurück (Search Engine Journal, 2025). Die Studie stützt sich auf Schätzungen aus Drittanbieter-Tools und betrifft reine Domainwechsel.
Mehrere Länder-Websites zusammenlegen
Werden mehrere Länder-Websites auf einer Plattform zusammengeführt, braucht jede Länderseite ihr eigenes Ziel in der neuen Struktur. Sprach- und Ländervarianten werden mit hreflang-Angaben verknüpft, damit Google die passende Version anzeigt. Länderspezifische Inhalte wie Preise, Rechtstexte und Kontaktangaben dürfen beim Zusammenlegen nicht verloren gehen. Mehr dazu auf der Seite zu International SEO.
Checkliste 4: KI-lesbare Templates
- Inhalte serverseitig ausliefern. Eine Analyse von Vercel zeigt, dass grosse KI-Crawler wie GPTBot, ClaudeBot und PerplexityBot kein JavaScript ausführen (Vercel). Was erst im Browser nachgeladen wird, sehen sie nicht.
- Strukturierte Daten direkt im Template einplanen, nicht nachträglich auf einzelnen Seiten ergänzen.
- Bausteine für Direktantworten, FAQ und Tabellen im Template vorsehen, damit Inhalte klar gegliedert sind.
- In der robots.txt bewusst festlegen, welche KI-Crawler die Website lesen dürfen.
Wie du deine Website für KI-Agenten vorbereitest, beschreibt der Ratgeber Website für KI-Agenten. Die passende Leistung dazu ist Agent-Readiness.
Checkliste 5: Tracking und Abläufe hinter der Website
- Das Tracking-Konzept vor dem Go-live festlegen: Welche Aktionen werden gemessen, in welchem Tool, mit welchen Namen?
- Die Einwilligung für Cookies und Tracking (Consent) technisch korrekt einbinden und testen.
- Formulare an CRM oder Buchhaltung anbinden, damit Anfragen nicht im Postfach liegen bleiben.
- Eine Testanfrage durch den ganzen Ablauf schicken, vom Formular bis zum Eintrag im CRM.
Ohne diesen Schritt fehlt nach dem Go-live der Vergleich: Du weisst dann nicht, ob die neue Website mehr oder weniger Anfragen bringt. Wie wir Tracking und Anbindung im Relaunch umsetzen, steht auf der Seite zur Relaunch-Begleitung mit Tracking und CRM-Anbindung.
Checkliste 6: Go-live-Tag
- Stichproben der Weiterleitungen live testen, vor allem die Seiten mit den meisten Klicks und Backlinks.
- Prüfen, dass kein noindex aus der Testumgebung übernommen wurde.
- Die robots.txt prüfen: Sie darf wichtige Bereiche nicht sperren.
- Canonical-Angaben prüfen: Sie zeigen auf die neuen URLs.
- Die neue Sitemap einreichen.
- Eine Testanfrage senden und prüfen, ob sie im Tracking und im CRM ankommt.
Die ersten 90 Tage nach dem Go-live
Google weist darauf hin, dass Rankings nach grösseren Änderungen schwanken können, während die Website neu gecrawlt und indexiert wird (Google Search Central). Schwankungen allein sind also kein Alarmzeichen. Wichtig ist, dass du sie mit Daten einordnen kannst.
- Indexierung: Werden die neuen URLs indexiert und die alten nach und nach ersetzt?
- Fehlerseiten: Gibt es neue 404-Fehler oder Crawling-Fehler in der Search Console?
- Top-Seiten: Halten die Seiten, die vorher die meisten Klicks hatten, ihre Positionen?
- KI-Sichtbarkeit: Wird die Marke weiter in KI-Antworten genannt? Wie das gemessen wird, erklärt der Ratgeber KI-Sichtbarkeit messen.
- Anfragen: Kommen gleich viele oder mehr Anfragen im CRM an?
Diese Punkte werden nach 30, 60 und 90 Tagen dokumentiert und mit der Bestandsaufnahme verglichen. Für die laufende technische Kontrolle hilft die Technical-SEO-Checkliste.
Die häufigsten Relaunch-Fehler
| Fehler | Folge | Vermeidung |
|---|---|---|
| Alte URLs ohne Weiterleitung | 404-Fehler, verlorene Rankings und Backlinks | Vollständiger Weiterleitungsplan aus der Bestandsaufnahme |
| Alle Weiterleitungen auf die Startseite | Signale der alten Seiten kommen nicht bei passenden Inhalten an | Jede alte URL auf die inhaltlich passende neue Seite |
| Alle Seiten 1:1 kopiert | Alte Unklarheiten und doppelte Themen bleiben bestehen | Entscheidung je Seite nach Suchabsicht |
| Inhalte nur per JavaScript | KI-Crawler sehen die Inhalte nicht | Serverseitig ausgelieferte Inhalte |
| noindex aus der Testumgebung übernommen | Seiten verschwinden aus dem Google-Index | Prüfpunkt am Go-live-Tag |
| Formular-Tracking vergessen | Kein Vergleich der Anfragen vor und nach dem Relaunch | Tracking-Konzept und Testanfrage vor dem Go-live |
| Keine Daten der alten Website gesichert | Ursachen für Verluste lassen sich nicht mehr finden | Bestandsaufnahme vor dem Abschalten speichern |
Traffic nach dem Relaunch eingebrochen: was jetzt?
Ist der Traffic nach dem Relaunch eingebrochen, beginnt die Suche bei den Weiterleitungen. Vergleiche die Seiten, die vorher die meisten Klicks hatten, mit ihrem heutigen Zustand: Leiten sie korrekt weiter? Ist das Ziel indexiert? Ist der Inhalt noch vorhanden? Danach folgen robots.txt, noindex-Angaben, Canonicals und die Frage, ob Inhalte nur per JavaScript geladen werden. Ohne gesicherte Daten der alten Website wird die Analyse schwieriger, aber die Search Console zeigt die Klicks pro Seite rückwirkend für 16 Monate. Wenn du dabei Unterstützung brauchst, analysieren wir den Fall im Rahmen der SEO-Relaunch-Begleitung.
Stand: 6. November 2026 · Autor: Baris Gündogdu, Gründer SEOX GmbH
Quellen: Google Search Central, Site Moves and Migrations, developers.google.com; Dan Taylor, How Long Should An SEO Migration Take?, Search Engine Journal, Januar 2025, searchenginejournal.com; Vercel, The rise of the AI crawler, vercel.com; SISTRIX-Sichtbarkeitsindex Schweiz, 27.01.2025 bis 02.11.2026.